Aus dem Goldenen Buch vom Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort
Aus all diesen Gründen will Gott, dass Maria jetzt mehr erkannt, geliebt und geehrt werde als jemals, was ohne Zweifel geschehen wird, wenn die Auserwählten unter dem Gnadenbeistande und der Erleuchtung des Heiligen Geistes in die Übung der vollkommenen und inneren Andacht zu Maria eintreten werden, die ich ihnen im folgenden klarlegen will. Dann werden sie, soweit es die Gnade des Glaubens gestattet, diesen schönen Meeresstern klar erschauen und unter seinem Lichte trotz der Stürme und zahlreichen Feinde glücklich im Hafen landen. Sie werden die Größe dieser Herrscherin erkennen und sich als Untergebene und Sklaven der Liebe ganz ihrem Dienste weihen. Ihre Milde und mütterliche Güte wird in ihnen die zärtlichste Gegenliebe wecken. Die ganze Fülle ihrer Barmherzigkeit und die Kraft ihrer Hilfe werden sie in jeder Not erfahren und stets bei ihr als treuer Sachwalterin und Mittlerin Zuflucht finden. Jene vollkommene Andacht aber werden sie als das sicherste, leichteste, kürzeste und vollkommenste Mittel erproben, um zu Christus zu gelangen, sodass sie mit Leib und Seele sich Maria ohne Rückhalt schenken werden, um in gleicher Weise dem Heiland anzugehören.
Welche Bedeutung werden aber diese Diener und Kinder Mariä besitzen? Sie werden in ihrem brennenden Eifer für die Ehre Gottes überall das Feuer göttlicher Liebe entzünden. Sie werden wie scharfe Pfeile in der Hand der mächtigen Jungfrau sein, um ihre Feinde zu durchbohren.
Als Söhne Levis, wohlgeläutert durch das Feuer großer Trübsale und fest vereint mit Gott, werden sie in ihrem Herzen das Gold der Liebe, in ihrem Geiste den Weihrauch des Gebetes, an ihrem Leib die Myrrhe der Abtötung tragen und überall den Armen und Geringen ein Wohlgeruch Christi sein, während sie bei den Großen, den Reichen und stolzen Weltkindern den Geruch des Todes hinterlassen werden.
Gleich donnernden Wolken, die beim geringsten Hauche des Heiligen Geistes durch die Lüfte fliegen, sollen sie, ohne auf andere unzeitige Rücksicht zu nehmen und ohne sich selbst durch freudige oder schmerzliche Ereignisse beeinflussen zu lassen, den Regen des Wortes Gottes und des ewigen Lebens verbreiten. Sie sollen donnern gegen die Sünde und gegen die Welt, und dadurch den Teufel und seinen Anhang niederschlagen; alle diejenigen aber, zu welchen sie vom Allerhöchsten gesandt werden, sollen sie mit dem zweischneidigen Schwerte des Wortes Gottes durchbohren, sei es zum Leben, sei es zum Tode.
Sie werden als die wahren Apostel der letzten Zeiten auftreten, die der Herr der Heerscharen mit der Gabe des Wortes und mit der Macht ausstatten wird, Wunder zu wirken und glorreiche Siege über seine Feinde davonzutragen. Ohne Gold und Silber aber, was noch wichtiger ist, auch ohne Sorgen werden sie inmitten der anderen Priester und Kleriker wirken, und mit den Silberschwingen der Taube überall hinfliegen, wohin der Heilige Geist sie rufen wird, um zur Förderung der Ehre Gottes und des Heiles der Seelen tätig zu sein. Dort, wo sie gepredigt haben, werden sie nichts zurücklassen als das Gold der Liebe, welche die Vollendung des ganzen Gesetzes ist.
Endlich wissen wir, dass sie als wahre Schüler Jesu Christi in den Fußstapfen seiner Armut, Demut, Weltverachtung und Liebe wandeln und anderen den schmalen Weg zu Gott in reiner Wahrheit zeigen werden. Dabei werden sie sich nach dem heiligen Evangelium und nicht nach den Grundsätzen der Welt richten, ohne Ansehen der Person, ohne Schonung, ohne unangebrachte Rücksicht oder Furcht vor einem Sterblichen, mag er auch noch so mächtig sein.
Sie werden in ihrem Munde das zweischneidige Schwert des Wortes Gottes führen, auf ihren Schultern die blutige Fahne des Kreuzes, das Kruzifix in der Rechten, den Rosenkranz in der Linken, die heiligsten Namen Jesu und Mariä in ihrem Herzen und die Bescheidenheit und Abtötung Jesu Christi in ihrem ganzen Wesen tragen.
Das sind die großen Männer, die kommen werden, die Maria auf Befehl des Allerhöchsten ausrüsten wird, um sein Reich über die Gottlosen, Götzendiener und Mohammedaner auszudehnen. Wann und wie wird es geschehen? – Gott allein weiß es! An uns ist es, zu schweigen, zu beten, zu seufzen und abzuwarten: Exspectans expectavi (Ps 39,4)
